Anatomie und Physiologie aus der Sicht der Ayurveda

 

Die Doshas:
Jeder Mensch wird mit seinem individuellen Muster der drei biologischen Kräfte (Vata, Pitta, Kapha) geboren. Vata, Pitta und Kapha stellen drei physiologische Wirkprinzipien dar, die ihre jeweiligen Funktionen körperlich sowie geistig ausüben. In einem dynamischen Gleichgewicht zueinander bestimmen sie die gesunden Körperfunktionen. Es sind immer alle drei Doshas im Körper vorhanden, sie sind nicht aus dem Körper zu entfernen oder voneinander zu trennen.

Je nach individueller Konstitution (Naturell) sind sie unterschiedlich stark ausgeprägt und können durch die natürlichen Schwankungen wie Lebensphasen, Klima, Umgebung, Nahrung sowie seelische Zustände beeinflusst werden. Stellt sich ein Ungleichgewicht ein, so führt dieses zu Krankheiten. Von der Wurzel des Sanskrit (Ursprungssprache Indiens) bedeutet Dosha "das was verdirbt oder schädigt".

 

Vata (Wind, Raum)

 

Prinzip der Bewegung. Es kontrolliert die Teilung und Anordnung von Zellen. Es leitet die Impulse von den fünf Sinnesorganen ans Gehirn und vom Gehirn zurück an die motorischen Organe weiter. Ebenso ist es für die Leitung weiterer Impulse des Nervensystems zuständig. Vata sorgt für die Ausscheidung des Stuhls, des Urins, des Schweißes und der Menstruationsflüssigkeit, ebenfalls für den Ausstoß des Samens und des Fötus. Es steuert auch Atem-, Herz- und Verdauungsbewegungen sowie alle höheren Funktionen im Gehirn und Wirbelsäule. Vata kontrolliert das Bewusstsein und vermittelt die Energie zur Ausführung aller Körperaktivitäten und für die geistige Tätigkeit.
Körperregionen (Hauptwirkort) von Vata:
Dickdarm, Blase, Nieren, Gehirn, Knochen
Normale körperliche Funktionen:
Gute Funktionen der Sinnesorgane, der Bewegungsabläufe, der Atmung und des Kreislaufs, Bereitstellung der notwendigen Verdauungsenzyme, Ausscheidung, Fruchtbarkeit, Potenz, Geburtsvorgang.
Normale geistige Funktionen:
Lebensfreude, Begeisterungsfähigkeit, innere Ausgeglichenheit, Sensibilität, Intelligenz, verbale und emotionale Ausdrucksfähigkeit.

 

 

Pitta (Feuer)

 

Pitta sorgt für die Bildung der Gewebe (Dhatu), Abfallstoffe (Mala) und der Doshas (Eigenschaften) aus Nahrung, dem Wasser und der Luft, die wir von außen aufnehmen. Es ist verantwortlich für alle Sekretionen im Magen-Darm-Trakt, die Bildung von Enzymen sowie für Abgabe von Hormonen aus endokrinen Drüsen in den Blutstrom. Pitta steuert die Körpertemperatur und kontrolliert die Empfindungen von Hunger, Durst, Furcht, Ängstlichkeit, Ärger und sinnlicher Begierde. Es ist auch für mutige Handlungen und für die Aufnahme allen Wissens von außen ausschlaggebend.
Körperregionen (Hauptwirkort) von Pitta:
Dünndarm, Leber, Gallenblase, Milz, Herz, Uterus
Normale körperliche Funktionen:
Normaler Appetit, Durst, Verdauung, Sehkraft, Blutbild und Blutmenge, Hautfarbe und Hautbeschaffenheit, Körpertemperatur

Normale geistige Funktionen:
Rasche Auffassung, Intelligenz, Mut, gute Laune, gutes Gedächtnis, Willensstärke

 

Kapha (Erde, Wasser)

 

Kapha vermehrt die Ablagerungen in den Zellen und ist auch entscheidend an der Verknüpfung von Zellen, Geweben und Organen beteiligt. Somit sorgt es für das Wachstum des Körpers. Es verhindert die Zerstörung von Geweben durch Verschleiß (aufgrund von Reibung und Bewegung, die von Vata verursacht werden), indem es die Stärke und Abwehrkraft des Körpers aufrecht erhält. Die Fähigkeit zur Fortpflanzung, die Lebensfreude und das Gedächtnis hängen vom richtigen Funktionieren von Kapha ab.

Körperregionen (Hauptwirkort) von Kapha:
Brustkorb, oberer Magen, Lungen, Kopf, Pankreas (Bauchspeicheldrüse), Hoden

Normale körperliche Funktionen:
Gute Körperkraft und Stabilität, geschmeidige Gelenke, Gewicht, sexuelle Kraft und Fruchtbarkeit, gutes Immunsystem, stabiles Gewebe

Normale geistige Funktionen:
Geduld, Mitgefühl, Durchhaltevermögen, gutes Gedächtnis